Katzenseuche

Die Katzenseuche, auch bekannt als Panleukopenie oder Feline Parvovirose (FPV), ist eine höchstansteckende, gefährliche und insbesondere bei Jungtieren meistens tödlich verlaufende Infektionskrankheit. Sie wird durch einen Parvovirus verursacht und ist eng verwandt mit der Parvovirose des Hundes und dem AleutenVirus der Nerze.

Der Erreger kommt weltweit und in allen Katzenpopulationen endemisch vor. Die Krankheit kann alle Arten der Familie der Katzen (Felidae) und darüber hinaus einige Kleinbären (Waschbär, Südamerikanischer Nasenbär), Katzenfrette und Nerze befallen.

Die Todesrate bei der Katzenseuche ist sehr hoch. Ohne Intensivtherapie besteht kaum eine Überlebenschance. Die Erkrankung kann so rasant verlaufen, dass die – meist jungen – Katzen innerhalb von wenigen Stunden nach Auftreten der ersten Symptome sterben.

Besonders gefährdet sind in erster Linie

* ungeimpfte Jungkatzen
* Katzen mit Auslauf
* Katzen in Tierheimen, Tierpensionen oder Tierkliniken
* Katzen, die an einer anderen Grundkrankheit, wie z.B. der Katzenleukose leiden.

Die Katzenseuche kann nicht auf Menschen übertragen werden!

Der Virus ist gegenüber äußeren Einflüssen äußerst widerstandsfähig. Er überlebt Monate bis Jahre bei Zimmertemperatur und ist resistent gegen Einfrierung oder Austrocknung. Gegen die haushaltsüblichen Desinfektionsmittel ist er unempfindlich, zu den gegen das Virus wirksamen Substanzen zählen nur hochwirksame Chemikalien wie Natriumhypochlorit, Formaldehyd und Glutaraldehyd.

Nur mittels einer Impfung lässt sich die Infektion einer Katze sicher vermeiden.

Ansteckung

Die Ansteckung kann auf vielen Wegen geschehen. Der Virus wird über alle Körperflüssigkeiten (z.B. Speichel, Nasensekret), aber auch über Kot, Urin und Erbrochenes ausgeschieden. Übertragen wird er von Katze zu Katze (direkter Kontakt), aber auch durch Gegenstände wie z.B. Transportboxen und Futterschüsseln (indirekter Kontakt). Flöhe und andere Insekten dienen ebenfalls als Überträger. Menschen können den Erreger auch an der Kleidung oder den Schuhen haben und ihn somit auch für die einsamste Wohnungskatze zu einer Gefahr machen.

Überlebende Patienten können als Dauerausscheider den Virus mit Kot und Urin noch viele Monate lang ausscheiden.
Die Aufnahme des felinen Parvovirus erfolgt über Nasen- und Mundschleimhaut. Schon einen Tag später zirkulieren die Viren im Blut. Da das Virus zur Vermehrung Zellen mit hoher Teilungsrate benötigt, befällt es besonders die sich fortwährend stark regenerierenden Zellen des Darmepithels, des Knochenmarks und des Lymphsystems. Dadurch werden die betroffenen Zellen geschädigt, Folge ist ein ausgeprägter Leukozytenmangel. Etwa 3-5 Tage nach der Infektion zeigen sich erste Symptome. Eine Infektion findet hauptsächlich bei Tieren zwischen 6 Wochen und 4 Monaten statt.

Föten können über die Plazenta bereits im Mutterleib infiziert werden. Bei einer Ansteckung im Mutterleib folgen oftmals Abort oder die Geburt geschädigter Welpen.

Symptome/Verlauf

Die Inkubationszeit dauert etwa 2-10 Tage.

Beim ersten Anzeichen von Katzenseuche ist sofortige tierärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die Katzenseuche verursacht eine Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukozyten), was eine Immunschwäche zur Folge hat. Durch die grobe Verminderung der Leukozyten besteht Abwehrschwäche und daher kein Schutz vor bakteriellen Erkrankungen, die lebensbedrohlich sind. Findet keine Behandlung statt, stirbt die betroffene Katze durch Kreislaufversagen auf Grund von Austrockung oder bakteriellen Zusatzinfektionen. Leider sind trotz einer Intensivtherapie vor allem Jungkatzen häufig nicht mehr zu retten (die Todesrate liegt bei bis zu 75%).

Bei trächtigen Katzen kommt es zu Aborten, Behinderungen (Schädigung des Kleinhirns) oder Totgeburten.

Die Überlebenschance ist gering, aber dennoch gegeben. Da der Tod dieser Erkrankung sehr grausam und leidvoll ist, sollte man, wenn man keine Aussicht auf Erfolg mehr sieht, der Katze den Gefallen tun und ihr Leid ersparen, indem man sie einschläfern lässt. So schwer das für den Besitzer auch ist, aber es ist eine Erlösung für die Katze und wer seine Katze liebt, der erspart ihr unnötige Leiden!

Bei der Katzenseuche gibt es drei Verlaufsformen:

Beim sog. perakuten Verlauf tritt der Tod innerhalb weniger Stunden ein, Erbrechen und Durchfall bleiben dabei meist aus. Oftmals hat sich die Katze kurze Zeit zuvor noch völlig normal und unauffällig verhalten.

Beim akuten Verlauf äußert sich die Erkrankung zunächst mit anfänglicher Müdigkeit und Apathie, die Tiere liegen mit eingeknickten Vorderpfoten lange Zeit auf einer Stelle ohne sich zu bewegen. Hinzu kommen hohes Fieber (bis 41°C), Durchfall, häufiges Erbrechen, Schmerzen im Bauchbereich, Verweigerung von Nahrung und Flüssigkeit. Das Fell ist matt und stumpf, häufig kann man einen Nickhautvorfall beobachten. Als Folge der Schädigung des Dünndarms wird der Durchfall 1-2 Tage später wässrig bis blutig. Der entstehende Flüssigkeitsverlust und die folgende Austrocknung können innerhalb kürzester Zeit durch eine zu hohe Beanspruchung von Herz-Kreislauf und Nieren zu Schock und Tod führen.

Der subakute Verlauf zeigt sich durch nur mäßige Apathie und geringgradigen Durchfall über mehrere Tage. Aus diesem krankheitsbedingten Durchfall kann chronischer Durchfall werden, der kaum bis gar nicht mehr behandelbar ist. Hiervon betroffen sind meist ältere gesunde Tiere. Infizieren diese sich mit dem Parvovirus, zeigen sie im besten Fall höchstens leichtgradige Symptome; auch dann, wenn sie nicht gegen Parvovirose geimpft wurden. Allerdings kann eine Infektion mit dem Parvovirus das Immunsystem so beeinträchtigen, dass unter Umständen andere Infektionen begünstigt werden und die Tiere so an der nächsten Infektion erkranken und sterben.

Diagnose

Eine Verdachtsdiagnose liefern fehlende Impfung, Alter, klinische Symptome, der charakteristische Verlauf und eine schwere Leukopenie.

Eine sichere Diagnose kann nur labordiagnostisch erstellt werden. Ein wesentliches diagnostisches und prognostisches Kriterium ist die Anzahl der Leukozyten, die bei typischen Verläufen auf Werte um 2.000 bis 4.000 pro Mikroliter absinken. Liegt der Wert unter 1.500, besteht eine schlechte Prognose.

Das Virus kann elektronenmikroskopisch im Kot nachgewiesen werden. Es gibt darüber hinaus Schnelltests zum Virusnachweis im Kot. Bei nicht geimpften Katzen kann darüber hinaus ein Antikörpernachweis im Blut hilfreich sein.

Auch histopathologische Untersuchungen von Dünndarm, Lunge, Niere, Lymphknoten und Milz sowie Kleinhirn von abortierten Feten können Klärung bringen.

Eine sichere Diagnose ohne Laboruntersuchungen wäre einfach, wenn die o. g. Symptome zu 100% auf die Katzenseuche zurückzuführen wären. Das sind sie jedoch leider nicht, da sie sehr unspezifisch sind. Der Leukozytenmangel beispielsweise findet sich in erster Linie bei einer FeLV-Infektion (Leukose), wobei gleichzeitige Infektionen mit FeLV und Katzenseuche bekannt sind.

Starker Durchfall wiederum kann auch auf eine Infektion mit Felinen Cornonaviren hinweisen, wobei jedoch hier die Leukozyten kaum vermindert sind, weswegen das weiße Blutbild hier schnell Abhilfe schaffen kann.

Auch die Toxoplasmose zeigt ähnliche Symptome. Zwar sind in der Frühphase Anorexie, Apathie, Fieber, Erbrechen und Durchfall selten, jedoch gibt es auch hier einen massiven Leukozytenmangel zeitgleich mit den sicht- und merkbaren Symptomen. Die Symptome der Lungenentzündung, die man bei Toxoplasmose oft hat, treten jedoch bei der Parvovirose nur bei gleichzeitiger Infektion mit Erregern des Katzenschnupfens auf.

Außerdem besteht Verwechslungsgefahr mit einer bakteriell bedingten Gastroenteritis (Magen-Darm-Infektion). Auch verschluckte Fremdkörper können u. U. zu ähnlichen Symptomen führen, wie sie bei der Parvovirose auftreten.

Behandlung/Therapie

Für den Tierarzt steht die Lebenserhaltung (soweit vertretbar) an allererster Stelle, daher erfolgt seine Behandlung durch Zufuhr von Flüssigkeit, Schmerzmitteln, krampflösenden Medikamenten, Medikamenten gegen Erbrechen und Durchfall, immunabwehrstärkenden Mitteln und Antibiotika (gegen bakterielle Zusatzinfektionen). Leider kann aber auch der Tierarzt den Virus nicht abtöten. Das Immunsystem der Katze hat also die Aufgabe, den Erreger selbst zu bekämpfen und zu vernichten. Der Tierarzt kann die Katze beim Kampf gegen den Virus lediglich unterstützen und hierbei auch Serum-Antikörper oder felines Interferon einsetzen.

Frisst oder trinkt der Patient nicht, so sind möglicherweise zusätzlich Infusionen oder Zwangsernährung erforderlich.

Nicht nur die medikamentöse Behandlung des Tierarztes ist wichtig, sondern auch die liebevolle Pflege des Katzenfreundes. Die Pflege einer an Katzenseuche erkrankten Katze muss sehr intensiv und sorgfältig vonstatten gehen. Die betroffene Katze ist meist nicht mehr in der Lage, rechtzeitig auf die Katzentoilette zu finden, da sie so enorm geschwächt ist, dass sie einfach dort unter sich lässt, wo sie gerade ist (sehr starker Durchfall). Eine Katze, die durch Kot oder Urin verschmutzt ist, sollte sofort gesäubert werden. Jeder Katzenfreund weiß, wie sehr diese sauberen und gründlichen Tiere darunter leiden, wenn sie in ihren eigenen Exkrementen liegen müssen.

Neben intensiver Pflege, Streicheleinheiten und Säuberung des eventuell verschmutzten Haarkleides, ist auch die Flüssigkeitszufuhr von enormer Bedeutung. Der Katze muss in regelmäßigen Abständen Wasser zugeführt werden, um sie vor der Austrocknung zu bewahren. Um der Katze Futter zuzuführen eignen sich z.B. Babynahrung oder Hühnchenbrühe, die mit einer Plastikspritze direkt in das Maul verabreicht werden.

Die Behandlung ist auf jeden Fall sehr langwierig und besonders bei jüngeren Tieren in den meisten Fällen leider erfolglos. Ältere und grundsätzlich gesunde Tiere können bei intensiver Behandlung aber auch gerettet werden.

Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Krankheit ist die Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen, um die Weiterverbreitung des Erregers zu verhindern. Genesende Katzen können das Virus bis zu sechs Wochen ausscheiden.

Vorbeugung/Impfung

Nur mittels einer Impfung lässt sich die Infektion einer Katze sicher vermeiden.

Die wirksamste Maßnahme gegen die Erkrankung besteht in einer prophylaktischen Impfung, welche erstmals im Alter von acht Wochen durchgeführt wird und nach einem Monat aufgefrischt werden sollte. Erst nach der zweiten Impfung ist die Grundimmunisierung abgeschlossen.

Bei älteren Katzen, die zuvor keine Impfung hatten bzw. die Impfung länger als ein Jahr zurückliegt, wird die Grundimmunisierung ebenfalls zweimal im Abstand von 3-4 Wochen durchgeführt.

Die jährliche Wiederholungsimpfung wird dringend empfohlen.

Bei dem Impfstoff handelt es sich in der Regel um ein Kombinationspräparat gegen den Parvovirus sowie den Calici- und Herpesvirus (Katzenschupfen).

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