Toxoplasmose

Vorbemerkung:
Entgegen der leider immer noch weit verbreiteten gegenteiligen Meinung ist die Abschaffung der Katze aufgrund einer Schwangerschaft absolut nicht erforderlich!

Was ist Toxoplasmose?

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch die einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii ausgelöst wird. Sie gehört zu den Zoonosen, d.h. sowohl Menschen als auch Wirbeltiere können befallen werden. Während eine Übertragung von Mensch zu Tier und von Tier zu Mensch möglich ist, kann eine Übertragung von Mensch zu Mensch nicht erfolgen.

Die Toxoplasmose kommt in allen Regionen der Welt vor. Entsprechend weit ist sie verbreitet: Man schätzt, dass etwa 70% der Mitteleuropäer sich im Laufe des Lebens infiziert und Antikörper gebildet haben. Einmal entwickelte Antikörper schützen vor der Erkrankung. Wie viele Frauen im gebärfähigen Alter Antikörper im Blut haben und damit immun sind, ist nicht genau zu sagen. Schätzungen sprechen von 30 – 80%, der Anteil ist in ländlichen Gegenden höher. Je älter ein Mensch ist, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit durchgemacht wurde und damit Immunität gegen Toxoplasmose besteht.

Toxoplasmen sind eng mit Kokzidien verwandt und durchlaufen einen ähnlichen Lebenszyklus, es gibt jedoch einige Besonderheiten:
Der Endwirt für Toxoplasmen ist allein die Katze, allerdings können fast alle anderen Tiere sowie der Mensch als Zwischenwirt fungieren. In der Katze parasitieren die Toxoplasmen in der Darmschleimhaut, in der sie sich vermehren und dann als Oozysten mit dem Kot ausgeschieden werden.

Bei allen anderen Tieren (und auch beim Menschen) kommt es zur Bildung von Gewebezysten in der Muskulatur oder in inneren Organen. Hier ruhen die Toxoplasmen und warten ab, bis das Gewebe des Wirtstieres, z.B. einer Maus, von einer Katze gefressen wird, denn nur dann können sie sich weiterentwickeln. Wird das zystenhaltige Gewebe von einem anderen Tier oder vom Menschen verzehrt, kommt es wiederum zur Zystenbildung. Bei der Katze bleibt der Befall meist unentdeckt, da nur etwa 3 Wochen lang Oozysten ausgeschieden werden. Im Regelfall machen Katzen nur einmal im Leben eine Toxoplasmose durch, anschließend entwickeln sie eine belastbare Immunität, die durch ständigen erneuten Erregerkontakt immer wieder aufgefrischt wird. Die Erreger können sich im Darm dieser Tiere nicht mehr vermehren und diese Katzen scheiden nie wieder Oozysten aus.

Die ausgeschiedenen Oozysten sind nicht sofort infektionsfähig, sondern benötigen zuvor eine Phase der Weiterentwicklung in der freien Umgebung, die je nach Außentemperatur mindestens 2 Tage dauert. Daher ist eine Infektion über das Katzenklo nur in Ausnahmefällen möglich, nämlich dann, wenn das Klo nur selten gereinigt wird. Wenn die Entwicklung zu infektiösen Oozysten allerdings abgeschlossen ist, sind diese in der Umwelt sehr widerstandsfähig und können monatelang überdauern.

In Deutschland haben je nach Untersuchung 45 bis 75 % der Hauskatzen Antikörper gegen Toxoplasma gondii. Diese Zahl zeigt jedoch nur, dass die Katzen einmal in ihrem Leben eine Infektion erlebt und damit Oozysten ausgeschieden haben. Letzteres geschieht jedoch im Allgemeinen nur bei der Erstinfektion für eine Dauer von bis zu 21 Tagen in Abhängigkeit vom Immunstatus. Nur etwa 1 bis 2 % der Katzen sind Ausscheider von Toxoplasmen-Oozysten, vor allem erstinfizierte Jungtiere.

Ansteckung

Die Übertragung erfolgt nur in den seltensten Fällen über Katzenkot oder die Katze selber, wie es leider immer noch häufig behauptet wird. Die Hauptinfektionsquelle für Tier und Mensch liegt vielmehr im Verzehr von rohem oder nicht völlig durchgegartem Fleisch (beim Menschen Mett, Tartar u. ä., bei der Katze z.B. infizierte Mäuse). Über die Nahrungskette kann der Parasit Toxoplasma gondii fast alle unserer landwirtschaftlichen Nutztiere erreichen, für die Infektion der Katzen im Endwirt-Zwischenwirt-Zyklus sind vor allem Nagetiere von Bedeutung.

Weitere mögliche Ansteckungswege sind unzureichend gewaschenes rohes Gemüse und Salat, sowie Früchte, die in der Nähe des Erdbodens wachsen, zum Beispiel Erdbeeren. Ebenso kann man sich über die Erde mit Toxoplasmose anstecken, etwa bei der Gartenarbeit. Toxoplasma gondii-Parasiten können unter günstigen Bedingungen, z.B. in feuchter Erde, einige Monate überleben.

Erkrankt die Katze an Toxoplasmose, scheidet sie mit ihrem Kot die Erreger aus, die erst nach 24 Stunden ansteckend werden. Bei täglicher Reinigung der Katzentoilette besteht auf diesem Weg kaum Infektionsgefahr!

Infektionsgefahr besteht durch:

  • Verzehr von ungenügend gewaschenem und kontaminiertem Obst, Gemüse oder Salat
  • Verzehr von rohem oder ungenügend gegartem Fleisch und Geflügel, Verzehr von rohen Eiern
  • unhygienischen Umgang mit rohem Fleisch
  • Umgang mit Gartenerde (versteckter Katzenkot)
  • direkten Kontakt mit Katzenkot (von infizierten Katzen)

Symptome

Katzen erkranken nur sehr selten wirklich ernsthaft an der Toxoplasmose. Auch bei der Erstinfektion verläuft die Erkrankung bei älteren Tieren im Regelfall subklinisch, also ohne deutliche Krankheitserscheinungen. Während der Darmphase des Erregers können allenfalls leichter Durchfall, kurzzeitig Fieber und Lymphknotenschwellungen auftreten. Während der Phase der Parasitenentwicklung außerhalb des Darms können je nach befallenem Organ allerdings auch Husten, Atembeschwerden, Durchfall, Gelbsucht sowie Entzündungen der mittleren Augenhaut, der Herzmuskulatur, der Skelettmuskulatur oder des Gehirns auftreten. Bei Katzenwelpen kann es schlimmstenfalls zu plötzlichen Todesfällen kommen.

Eine chronische Toxoplasmose kommt nur bei Katzen mit Störungen des Immunsystems vor. Sie zeigt sich in zentralnervösen Symptomen wie Gangstörungen oder Schüttelkrämpfen, Magen-Darm-Problemen wie Erbrechen, Durchfall und Abmagerung oder als Entzündung der mittleren und inneren Augenhaut.

Beim Menschen sind die Symptome von Toxoplasmose abhängig von der körperlichen Verfassung. In der Regel verläuft Toxoplasmose beim Menschen harmlos und nahezu ohne Krankheitszeichen. Meist wird die Toxoplasmose-Infektion nicht als solche bemerkt. Selten treten leichte grippeähnliche Symptome auf, sehr selten mit Fieber.

Bei Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem verläuft die Toxoplasmose-Infektion allerdings schwerer mit ausgeprägten Symptomen. Dazu gehört ein schweres Grippegefühl mit starken Kopf- und Gliederschmerzen und hohem Fieber. Es kann außerdem zu Nackensteifheit, Bewusstseinsstörungen und Lähmungen, schlimmstenfalls zu ernsthaften Entzündungen des zentralen Nervensystems kommen. Bei einer Immunschwäche ist die Prognose abhängig von der Schwere der Infektion sowie vom Allgemeinzustand.

Nach der Erstinfektion mit Toxoplasmose besteht ein lebenslanger Immunschutz.
Der Körper bildet Antikörper und danach eine lebenslange Immunität.

Diagnose

Bei der Katze kann die Diagnose während der Ausscheidungsphase durch eine Untersuchung des Kots auf Oozysten mittels Flotationsverfahren gestellt werden. Um bei einem positiven Befund die Ausscheidung von Oozysten zu kontrollieren, kann man den Kot der Katze auf Toxoplasmose-Oozysten untersuchen, dabei ist ein positiver Befund allerdings sehr selten, da 70 Prozent aller Katzen infiziert sind, jedoch nur etwa 1 Prozent der freilaufenden Katzen Toxoplasmen-Oozysten ausscheiden.

Darüber hinaus können serologisch Antikörper im Blut nachgewiesen werden. Dabei ist zu beachten, dass der Antikörpernachweis nur auf einen Kontakt mit Toxoplasma gondii hinweist, für eine Erstinfektion sprechen nur ansteigende Titer in einer zweiten Blutprobe nach etwa zwei Wochen.

Beim Menschen erfolgt die Diagnose von Toxoplasmose über eine Blutuntersuchung. Dafür werden Antikörper gegen den ursächlichen Parasit Toxoplasma gondii im Blut nachgewiesen. Befinden sich sowohl das IgG- also auch das IgM-Antigen in der Blutprobe, gilt eine Infektion mit Toxoplasmose als sicher.

Therapie

Die Therapie einer Toxoplasmose bei der Katze erfolgt wie bei der Kokzidiose, ist aber in der Regel nicht notwendig, da die Oozystenausscheidung durch den Aufbau einer Immunität von allein nach etwa 3 Wochen aufhört und auch nach erneuter Infektion nicht wieder beginnt.

Sollte eine Behandlung notwenig sein, ist diese nur gegen die Toxoplasmen im Darm möglich. Hier werden z.B. Sulfonamide oder Clindamycin eingesetzt. Die Oozystenausscheidung lässt sich mit Antiparasitika wie Toltrazuril (Baycox) drastisch vermindern.

Auch beim Menschen ist in den meisten Fällen eine Behandlung von Toxoplasmose nicht notwendig. Bei einem gesunden Abwehrsystem wird der Körper mit der Infektion alleine fertig, zumal die Erstinfektion mit Toxoplasmose-Erregern häufig gar nicht bemerkt wird.

Zeigen sich starke Symptome (in der Regel bei abwehrgeschwächten Menschen), werden Medikamente eingesetzt, die bestimmte Stoffwechselvorgänge der Toxoplasmose-Erreger hemmen.

Kommt es während der Schwangerschaft zu einer Erstinfektion mit Toxoplasmose, ist eine Behandlung zwingend erforderlich.

Toxoplasmose in der Schwangerschaft

Soweit hat die Toxoplasmose keine große Bedeutung, kritisch wird allerdings ein Erstbefall bei schwangeren Frauen. Tritt eine Erstinfektion mit Toxoplasmose in der Schwangerschaft auf, kann das Ungeborene geschädigt werden. Je nach Stadium der Schwangerschaft sind Schädigungen des Zentralen Nervensystems (ZNS) oder der Organe möglich. Das Risiko einer Fehl- oder Totgeburt steigt an.

Je früher in der Schwangerschaft eine Infektion auftritt, umso schwerer sind – bei Nichterkennen und ohne Behandlung – die Auswirkungen auf das Ungeborene: bei Infektion im ersten Drittel der Schwangerschaft = ~75 % schwere Schäden, im letzen Drittel ~5 %. Von den infizierten Neugeborenen zeigen etwa 90 % direkt bei Geburt noch keine Symptome. Spätschäden treten trotzdem auf. Die angeborene Toxoplasmose ist in Deutschland meldepflichtig.

Eine besondere Gefahr besteht in der Infektion des ungeborenen Kindes, wenn die werdende Mutter bisher noch nie Kontakt mit dem Krankheitserreger hatte und deswegen nicht immun ist. Eine Frau mit Kinderwunsch sollte deshalb bei Ihrem Gynäkologen testen lassen, ob sie ausreichend gegen diese Erkrankung geschützt ist. Wenn durch die Blutuntersuchung gezeigt wird, dass zu wenig Schutzstoffe (Antikörper) vorhanden sind, sollte zunächst von der Anschaffung einer Katze Abstand genommen oder ein enger Kontakt zu Katzen vermieden werden.

Die Wahrscheinlichkeit, dass eine schwangere Katzenbesitzerin die Krankheit bereits durchgemacht hat – und damit immun ist – ist hoch. Bei werdenden Müttern, die sich schon früher infiziert haben, besteht keine Gefahr. Ein Toxoplasmosetest gehört heute als Standart in die Schwangerschaftsvorsorge!

Die Abschaffung der Katze zur Minderung des Toxoplasmose-Risikos, von Gynäkologen häufig den Schwangeren noch angeraten, ist nicht die Lösung und absolut nicht erforderlich!

Viel wichtiger ist die Vermeidung der anderen Infektionsquellen: Kein Verzehr von Tatar, Mett oder nicht durchgegarten Steaks, Handschuhe bei der Gartenarbeit und beim Säubern des Katzenklos, tägliche Reinigung des Katzenklos, Abdecken von Sandkisten usw.

Die Säuberung der Katzentoilette sollte nicht von der Schwangeren erledigt werden (höchstens mit Einmalhandschuhen!) und täglich erfolgen, damit evtl. vorhandene Toxoplasma-Frühstadien keine Zeit zum Reifen haben (frische Erreger werden erst nach etwa 24 Stunden aktiv = ansteckend).

Wer ganz sicher sein will, lässt seine Katze vom Tierarzt auf Toxoplasmose untersuchen.

Konsequente Hygiene-Maßnahmen schützen vor Infektion!

Vorsorge

Eine Infektion mit Toxoplasma gondii lässt sich nicht sicher verhindern. Jedoch verringert man die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung erheblich, wenn man bestimmte Risikofaktoren meidet.

Katzen infizieren sich größtenteils durch rohes Fleisch. Bei der Fütterung mit Dosenfutter besteht somit keine Infektionsgefahr. Die wichtigste prophylaktische Maßnahme für Katzen ist daher die Verfütterung von Dosenfutter oder ausschließlich erhitztem oder längere Zeit durchgefrorenem Fleisch zur Unterbrechung des Endwirt-Zwischenwirt-Zyklus.
Bei Freigängern ist durch die Aufnahme von Nagetieren aber kein wirksamer Infektionsschutz möglich.

Ausläufe in größeren Katzenhaltungen sollten regelmäßig mit Dampfstrahlern gereinigt werden, nahezu alle handelsüblichen Desinfektionsmittel sind gegen die Oozysten wirkungslos.

Ein Impfstoff für Katzen zur Toxoplasmoseprophylaxe ist in Entwicklung.

Vorsichtsmaßnahmen:

Es ist immer sinnvoll, sich vor dem Essen gründlich die Hände zu waschen. Auch nach dem Spielen im Sandkasten oder der Gartenarbeit bzw. dem Kontakt mit Erde ist es ratsam, die Hände gründlich zu waschen. Fallobst und roh zu genießendes Gartengemüse sollte vor dem Verzehr gründlich gewaschen werden.

Empfehlenswert ist die regelmäßige Reinigung der Katzentoilette mit heißem Wasser.

Während einer Schwangerschaft sollte auf das Säubern der Katzentoilette verzichtet werden. Wenn das nicht möglich ist, ist es ratsam, dabei Handschuhe zu tragen.

Tipps:

  • Gemüse, Obst und Salat gut waschen (besonders aus Freilandanbau)
  • Rohes Fleisch nur mit Handschuhen bearbeiten
  • Nur ausreichend erhitztes (durchgebratenes) Fleisch essen, auf den Verzehr von rohem Fleisch und rohen Eiern völlig verzichten
  • Gartenarbeit nur mit Handschuhen durchführen (versteckter Katzenkot von freilaufenden Katzen)
  • Nach Kontakt mit rohem Fleisch, fremden Katzen oder deren Kot sowie nach der Gartenarbeit gründlich die Hände waschen
  • ggf. einen Toxoplasmose-Antikörpertest machen lassen
  • ggf. die eigene Katze auf Toxoplasmose untersuchen lassen
  • beim Reinigen der Katzentoilette Handschuhe tragen, insbesondere während der Schwangerschaft diese Arbeit möglichst von einem anderen Familienmitglied machen lassen
  • sich nicht von der Katze ablecken lassen, so vertraut diese Schmuseeinheiten auch sein mögen
  • die Katze nicht mit rohem Fleisch füttern