Katze und Kind

Baby kommt, Katze geht – oder?

Glückstrahlend kommt Jenny vom Arztbesuch nach Hause. Endlich! Der langersehnte Nachwuchs hat sich angekündigt – sie erwartet ein Baby. Mit vor Freude glühenden Wangen ruft sie ihren Mann im Büro an, ihre Worte überschlagen sich. Als sie den Hörer auflegt, umschmeichelt Minou, die schöne Katze mit dem Silbertigerfell, ihre Beine. Was hatte ihr Arzt doch gemeint? Sie solle vorsorglich die Katze weggeben? Wegen der Toxoplasmose? Jenny lächelt ein wenig spitzbübisch. Über dieses Thema hat sie sich bestens informiert, die notwendigen Tests durchlaufen und vorsichtshalber einige Grundregeln beherzigt.

Auch Katze Minou ist vom Tierarzt auf Toxoplasmose hin getestet worden – Ergebnis negativ. Jenny hat im Bekanntenkreis gehört, dass manche Ärzte schwangeren Frauen anraten, ihre Katze(n) abzuschaffen. Jenny denkt nicht daran, ihre Minou wegzugeben; sie freut sich darauf, ihr Kindchen zusammen mit einer Katze aufwachsen zu sehen. Sie selbst, ein Einzelkind, hatte das große Glück, gemeinsam mit einer Samtpfote ihre Kindheit zu durchleben.

Wie ist das nun mit der Toxoplasmose?

Leider ist die irrige Meinung, dass in der Schwangerschaft die Katze unbedingt „abgeschafft“ werden muss, um eine Toxoplasmoseinfektion zu vermeiden, immer noch sehr verbreitet. Das Toxoplasma gondii, ein einzelliger Parasit, wird zumeist durch den Verzehr von rohem oder ungenügend gegartem Fleisch (Mett!) und ungewaschenem Obst und Gemüse übertragen. Etwa 50% unserer Bevölkerung hat so ungefähr im ersten Lebensdrittel diese Infektion unbemerkt durchlebt und besitzt schützende Antikörper. Außerhalb der Schwangerschaft verläuft sie oft harmlos und unbemerkt. Aufschluss darüber, ob Antikörper vorhanden sind, gibt eine entsprechende Testung, der sich jede Frau mit Kinderwunsch bzw. Schwangere unterziehen sollte. Wer mit einer Wohnungskatze zusammenlebt, kann durch den Tierarzt feststellen lassen, ob seine Katze an Toxoplasmose erkrankt ist oder nicht. Scheidet die Samtpfote keine Erreger aus, kann weiterhin durch deren Ernährung ohne rohes Fleisch, Rohwurst und dergleichen eine Infektion verhindert werden.
Abgesehen vom Toxoplasmoseerreger kann in rohem Fleisch der Aujeszkysche Virus lauern, ein Virus, das bei Katzen (und Hunden) eine absolut tödliche Krankheit verursacht, die sogenannte Pseudo-Wut. Hier gibt es weder Impfung noch Heilung, die erkrankten Tiere sterben qualvoll. Deshalb sollte in der Katzenernährung nur gegartes Fleisch verwendet werden.
Eine Katze mit Auslauf kann durch ihre Beutetiere sehr wohl mit der Toxoplasmose in Berührung kommen. Erkrankt eine Katze dann, scheidet sie über einige Wochen mit dem Kot infektiöse Stoffe aus. Im frischen Endprodukt der Verdauung sind die Erreger nicht ansteckend, die Infektionsgefahr beginnt erst nach zwei bis vier Tagen!
Toxoplasmose stellt jedoch für ungeborene Kinder, deren Mütter erstmals während der Schwangerschaft infiziert werden, ein enormes Risiko dar. Um dieses auszuschließen, müssen einige Grundregeln befolgt werden.

In der Ernährung:
Essen Sie kein rohes oder ungenügend gegartes Fleisch (Tatar, Mett, Steak englisch oder medium gebraten). Verzehren Sie nur gründlich gewaschene Früchte und sorgfältig gewaschenes Gemüse.

In der Küche:
Vermeiden Sie Kontakte von rohem Fleisch und ungewaschenen Früchten bzw. Gemüse zu Schleimhäuten (Mund, Augen). Waschen Sie Hände und Oberflächen in Ihrer Küche (Arbeitsplatten, Tisch, Schneidebretter usw.), die mit solcherlei rohen Produkten in Kontakt kamen, sorgfältig mit geeigneten Mitteln und warmem/heißem Wasser.

Im Garten:
Bei der Gartenarbeit unbedingt Handschuhe tragen!

Im Haushalt mit Katze(n):
Vermeiden Sie den Kontakt zu Materialien, die mit Katzenkot in Berührung gekommen sein könnten. Ziehen Sie Handschuhe (Einweghandschuhe) an, falls die Gefahr einer Kontamination der Hände mit dem Katzenhäufchen bestehen sollte. Bei täglicher Reinigung der Katzentoilette – was eigentlich selbstverständlich ist – besteht keine Infektionsgefahr, da die Toxoplasmen zwei bis vier Tage bis zum infektiösen Stadium benötigen. (Es gibt auch Auslegefolien für die Katzentoilette, die das tägliche Auswechseln des gesamten Toiletteninhalts ermöglichen.). Die Katzentoilette selbst können Sie mit kochend heißem Wasser (5 Minuten lang) desinfizieren. Im Idealfall ist sicher auch ein Familienmitglied bereit, diese Arbeit zu übernehmen. Haben Sie eine Katze, die Auslauf genießt, oder wurden bei Ihrer Wohnungskatze Erreger festgestellt, müssen sie nach dem Katzenstreicheln Ihre Hände waschen.
Jennys Katze Minou ist eine Wohnungskatze und gesund, sie hat auch keine Toxoplasmose. Minou liebt ihr Frauchen abgöttisch, obwohl sie auch mit Jennys Mann Andreas schmust und freundlich mit ihm umgeht. Sie ist eine Katze mit einem ganz besonders feinen Gespür für alles, was Jenny betrifft.

Kann die Katze eifersüchtig auf das Baby sein?

Minou hat schon vor Jenny gewusst, dass Jenny Mutterfreuden entgegensieht. Dafür ist sie eine Katze – sie weiß einfach mehr. Vielleicht hat sie, hochsensibles Geschöpf, das sie ist, Jennys veränderte Ausstrahlung wahrgenommen? Das wird Jenny jetzt intensiv bewusst, und sie kann Minous Verhalten während der letzten Wochen nun richtig deuten. Minou hat sie in letzter Zeit außergewöhnlich lange, zärtlich und sehr behutsam umschmust, beim Spielen nie mehr die Krällchen eingesetzt, ihr Lieblingsspielzeug angeschleppt und Jenny vor die Füße oder in den Schoß gelegt.
Jenny wird nachdenklich. Bis jetzt genoss Minou die ungeteilte Aufmerksamkeit ihrer Menschen, das wird sich nun ändern. Am besten ist wohl, Minou allmählich und sanft an die neue Situation zu gewöhnen, um etwaigen Eifersuchtsreaktionen vorzubeugen.
Jenny bereitet ihre Katze auf den Familienzuwachs vor, indem sie – unter anderem – eine Puppe in den Armen wiegt und herumträgt. Jenny kann ja nicht wissen, dass Minou eine Samtpfote mit einem kinderliebenden Charakter ist. Bei sensiblen Katzen, die abrupt erfahren müssen, dass sie nicht mehr die „erste Geige“ in der Familie spielen, kann durchaus Eifersucht auftreten, was sich oft in Unsauberkeit manifestiert. Samtpfote sollte schon vorher und rechtzeitig auf die neue Situation hin „geschult“ werden.
Das künftige Babyzimmer bleibt für Minou hinfort tabu; einer der Gründe dafür ist, dass Katzen gemütliche warme weiche Schlafplätze lieben und nur allzu gern ins kuschelige Babybett hüpfen würden.

Vom Kater, der beim Laufenlernen half

Die Familie von Jennys Freundin Anne lebt mit einem Tigerkater zusammen, den Anne als halbverhungertes Katzenkind verlassen am Waldrand gefunden hatte, und der sich zu einem Staatskater ausgewachsen hat, einem richtigen Riesen. Ohne fett zu sein, bringt Kater Peter zehn Kilogramm auf die Waage! Er ähnelt auch mehr einem Luchs als einer Hauskatze. Und Kater Peter liebt Annes kleinen Sohn Thomas abgöttisch. Manche von Peters Charakterzügen passen eher zu einem Hund. Als Klein-Thomas noch im Stubenwagen lag und Besucher das Baby bewundern wollten, stellte sich der Kater auf die Hinterbeine, die Vorderpfoten auf den Wagen gestützt, sein Fell sträubte sich, seine Augen begannen orangerot zu glühen, und aus seiner Kehle drang unheilvolles tiefes Knurren. Der erschrockene Besucher zog sich eilends in sichere Entfernung zurück; denn Peters Anblick war in diesem Moment furchterregend.
Schrie das Baby, betätigte sich der Kater als „Melder“, stellte sich vor Anne und miaute laut und durchdringend.
Als der kleine Thomas laufen lernte, half ihm Peter dabei. Der stabile mächtige Kater begleitete das torkelige Kleinkind, stützte es regelrecht ab und half ihm beim Aufstehen. Peters Katerohren waren der Halte- und Anklammerpunkt des Babys, was den Kater sicher oft schmerzte, was er aber geduldig und klaglos ertrug. Was Kater Peter von niemandem sonst geduldet hätte, durfte der kleine tapsige Thomas. Mit unendlicher Geduld und Nachsicht stand Kater Peter dem Menschenkind bei.
Als Thomas fünf Jahre alt war, musste Anne unversehens und urplötzlich ins Krankenhaus. Zwar machte sich der alarmierte Vater gleich auf den Nachhauseweg, aber da er dienstlich unterwegs war, dauerte es gute vier Stunden, bis er zuhause war. In der ganzen Zeitspanne lagen Kind und Kater im Kinderzimmer auf dem flauschigen Teppich, Thomas ganz an Peter gekuschelt; der mächtige Kater hielt den kleinen Jungen regelrecht in seinen Pfoten.
Wollte Anne – aus welchen Gründen auch immer – ihren Sohn ausschimpfen, machte Kater Peter dieses Vorhaben sofort zunichte. Er setzte sich in Annes Augenhöhe, fuchtelte mit einer Vorderpfote durch die Luft und miaute protestierend in voller Lautstärke so lange, bis Anne damit aufhörte und meistens in schallendes Gelächter ausbrach – wer konnte denn bei so einem Anblick noch ernst bleiben?
Balgte sich Thomas mal mit einem Kameraden spielerisch im Kinderzimmer, konnte es durchaus passieren, dass Kater Peter den Spielgefährten attackierte und seine Krallen kräftig in das Hinterteil oder die Beine von Thomas’ vermeintlichem Kontrahenten schlug.

Paradies Erinnerung

Nicht jedes Zusammenleben von Katze und Kind verläuft gleich harmonisch. So unterschiedlich menschliche Charaktere sind, so auch bei den Katzen. Doch Jenny hofft, dass ihr Baby und Katze Minou so eine wundervolle Beziehung zueinander aufbauen werden, wie sie dies aus ihrer eigenen Kindheit her kennt und bei Anne miterlebt hat und noch miterlebt. Denn die Erinnerung daran begleitet durch das ganze Leben hindurch und ist ein kleines Paradies, in das man immer wieder flüchten kann und aus dessen Schätzen man lebenslang schöpft.

Quelle: www.our-cats.de